Wie das Metaverse Einzelhandel & Konsumgüterindustrie verändert

Das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen PwC hat die Auswirkungen des Metaverse auf den Einzelhandel und die Konsumgüterindustrie analysiert. Immerhin betrug das Marktvolumen von Metaverse-bezogenen Technologien im Jahr 2020 rund 48 Milliarden US-Dollar und soll bis 2025 jährlich um 43 Prozent wachsen. Auch Einzelhändler und Hersteller interessieren sich zunehmend für virtuelle Welten. Schließlich finden Modeschauen schon seit einiger Zeit in virtuellen Welten statt, es gibt oft rein digitale Kollektionen und die Kunden nutzen Filter, um möglichst realistisch zu sehen, wie ein Kleidungsstück am eigenen Körper oder ein Möbelstück im Wohnzimmer aussehen wird.

Für das Beratungsunternehmen ist die Verlagerung von Events, Produkten, Geschäften und Verkaufsstrategien in vernetzte Realitätswelten und virtuelle Räume einer der ersten Schritte in Richtung Metaverse. In einem Whitepaper hat PwC deshalb die Chancen, Risiken und Anforderungen des Metaverse für Unternehmen, insbesondere in den Branchen Handel und Konsumgüter, analysiert. Es beschreibt anhand zahlreicher Beispiele, wie das Metaverse den Konsum und das Leben darüber hinaus verändert und wie Händler und Hersteller rechtzeitig die Weichen für den Erfolg stellen können.

Mode im Metaverse
IMAGE RENDER: STUDIO SCARLETT YANG 2022/THE FABRICANT STUDIO

Metaverse bedeutet Evolution

Es gibt immer noch keine einheitliche Definition, was das Metaverse eigentlich ist. Es besteht jedoch Einigkeit über bestimmte Merkmale: „Das Metaverse verschmilzt die reale mit der digitalen Welt und ermöglicht es den Nutzern, in andere Welten in virtuellen, immersiven Räumen einzutauchen, in denen sie sich mit Avataren oder wechselnden Personas bewegen. Das Metaverse ist interaktiv und beständig, d. h. es bleibt bestehen, auch wenn der Nutzer nicht online ist“, heißt es im Whitepaper.

Aber die Entwicklung braucht Zeit:

„Das Metaverse ist keine Revolution, sondern eine Evolution. Der Weg dorthin ist ein langsamer, kontinuierlicher Prozess, der längst in vollem Gange ist“,

kommentiert Susanne Arnoldy, Partnerin und Leiterin des Bereichs Digital für Advisory Deutschland und Consulting EMEA bei PwC Deutschland, in einer Stellungnahme.

Fashion im Metaverse
IMAGE RENDER: STUDIO SCARLETT YANG 2022/THE FABRICANT STUDIO

Der Wachstumsmotor Technologie

Innovative Technologien wie künstliche Intelligenz, virtuelle/erweiterte Realität (VR/AR) und Blockchain treiben diese Entwicklung zum Teil rasant voran. So betrug das jährliche Marktvolumen für künstliche Intelligenz im Jahr 2021 schätzungsweise 129 Milliarden US-Dollar und wird bis 2025 voraussichtlich 361 Milliarden US-Dollar erreichen, bei einer jährlichen Wachstumsrate von rund 30 Prozent. Auch die VR-Technologien wurden kontinuierlich weiterentwickelt und erzielten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 36 Milliarden US-Dollar; für 2025 wird ein Umsatz von fast 192 Milliarden US-Dollar bei jährlichen Wachstumsraten von 46 Prozent erwartet. Bei den Blockchain-Anwendungen sind es 67 Prozent, und für 2025 wird ein Marktvolumen von fast 30 Milliarden US-Dollar prognostiziert.

Fashion im Metaverse
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Der zusätzliche Umsatz mit Mode und Luxusgütern wird sich auf 50 Milliarden US-Dollar belaufen

Auch das Metaverse selbst wird den Unternehmen steigende Umsätze bescheren: Laut Marktexperten liegt das Volumen von AR/VR-, Blockchain- und KI-Technologien im Metaverse-Kontext im Jahr 2020 bei rund 48 Milliarden US-Dollar; mit einer erwarteten Wachstumsrate von 43 Prozent in den nächsten fünf Jahren. Die Investmentbank Morgan Stanley geht davon aus, dass das Metaverse der Mode- und Luxusgüterindustrie bis 2030 zusätzliche 50 Milliarden US-Dollar an Umsatz bringen könnte.

Was Marketing und Vertrieb im Metaverse angeht, nimmt die Spieleindustrie eine Vorreiterrolle ein, denn Avatare, AR und VR sind dort bereits gang und gäbe. „Einzelhändler und Konsumgüterhersteller zeigen wachsendes Interesse an der Zusammenarbeit mit digitalen Plattformen und verlagern ihre Produkte, Angebote und Online-Shops in eine virtuelle Welt“, heißt es in der Analyse. „Der Wandel in der Einzelhandels- und Konsumgüterindustrie ist in vollem Gange. Die First Mover entwickeln längst neue Geschäftsmodelle und Kundenkontaktpunkte im Metaverse. Die Covid-Pandemie hat diese Entwicklung hin zu digitalen Welten und Projekten noch verstärkt“, resümiert Arnoldy.

Zielgruppe sind die ‚Digital Natives‘, die mit Gaming und E-Commerce aufgewachsen sind und begeistert auf neue technologische Entwicklungen reagieren, aber auch die anderen Altersgruppen stellen einen spannenden Markt dar. Auch wenn einige Modeunternehmen ihre Produkte bereits vollständig virtuell gestalten, sind sie vielleicht noch nicht im Metaverse angekommen. „Das bedeutet nicht, dass diese Unternehmen bereits im Metaverse sind, aber der Einsatz innovativer Technologien in Kombination mit einem geeigneten Geschäftsmodell ist ein Schritt in diese Richtung“, sagt Arnoldy.

Digitale Zwillinge, rein virtuelle Produkte und nicht-fungible Token (NFTs) sind Teil des Metaverse und müssen alle berücksichtigt werden. Darüber hinaus haben CryptoPunks für Aufsehen gesorgt, computergenerierte digitale Profilbilder, von denen einige für Millionen verkauft werden. „Die Idee dahinter ist, dass das Produkt einzigartig ist. Das macht es zu einem Luxusprodukt und Statusobjekt“, sagt Arnoldy, der diese Entwicklung kritisch sieht: „Aus meiner Sicht ist es wichtig, dass virtuelle Welten offen und für jeden nutzbar sind. Mit der bewussten Verknappung schaffen die Unternehmen einen künstlichen Markt, der gegen dieses Konzept verstößt“.

Doch der PwC-Experte ist überzeugt, dass das Metaverse mehr ist als nur ein Modewort: „Das Metaverse eröffnet der Handels- und Konsumgüterindustrie große Wachstumschancen durch neue Geschäftsfelder und Marketingkanäle, die innovative Markenerlebnisse für Kunden und Interessenten ermöglichen.“ Allerdings sollten sich die Unternehmen der Risiken und Herausforderungen bewusst sein: „Für Händler und Hersteller ist es wichtig, dass sie das Verbraucherverhalten kontinuierlich analysieren und eine solide digitale Basis für ihr Unternehmen in Bezug auf Organisation, Prozesse, Daten und Architektur aufbauen, auch unabhängig vom Metaverse, aber dafür umso mehr. Wichtig ist auch, dass Einzelhändler von einer Strategie / Use Case Basis ausgehen und sich erst im zweiten Schritt mit der Technologie / Metaverse zwecks Implementierung beschäftigen und nicht umgekehrt“, rät Arnoldy.