Wieso das Metaverse als Neu-Erfindung des Internets betrachtet werden sollte

Das Metaverse. Eigentlich nicht mehr als eine literarische Erfindung von Neal Stephensons. In seinem Science Fiction Roman „Snow Crash“ prägte er diesen Begriff an die Beschreibung einer virtuellen, dreidimensionalen Umgebung, in der sich programmierbare Avatare gegen Software-Agenten durchsetzen mussten. Letztes Jahr, knapp 30 Jahre später, wird aus Science-Fiction nur noch Science.

Das Konzept für virtuelle, leicht zugängliche Welten werden 2021 von Meta-Gründer Mark Zuckerberg (ehemals Facebook) weniger gewalttätig, aber ähnlich abstrakt, als neuer Geschäftszweig vorgestellt. Ein Konzept, bei dem Menschen schlagartig die Dystopie aus entweder Stephensons Roman befürchten, oder aber aus jedem anderen Klassiker, indem künstliche Intelligenzen die Menschheit versklavt haben, oder die Technologie auf eine andere Art die Zerstörung unserer Erde herbeigeführt hat.

Ende 2021, nicht mal drei Monate später, wird das Wort Metaverse im Internet zum positiv Hit. Big-Player Unternehmen, wie Microsoft oder Adidas stürzen sich mit gewaltigen Summen auf das Buzzword, investieren, verkaufen und investieren noch mehr. Und dann, nicht einmal ein halbes Jahr danach, verstummt sogar das vorerst laute Boomer-Fluchen noch älterer Uhrzeit-Dinos wie SAP. Doch, es verstummt nicht ganz, denn auch bei diesem prähistorischen Unternehmen flackert nun ein kleines Licht im Flur auf. Der Staub auf längst obsuleten Röhrendisplays wird entfernt, das Internet wird wieder angeschaltet und auf einmal wird eine Schnittstelle und eine Unternehmensstruktur aufgebaut, die zukünftig mit dem Metaverse Hand-in-Hand gehen soll.

(Quelle: Shutterstock/Chaosamran Studio)

Das Metaverse ist da. Und dann ist es auch wieder nicht da. Denn der Begriff oder die Aussage wird momentan noch falsch genutzt. Denn reden wir über Metaverse, dann reden wir nicht von dieser einen, einzigartigen, dreidimensionalen Umgebung, sondern viel mehr von einer Reihe dreidimensionaler Welten. Wir sprechen über unlimitierte, betretbare Dimensionen auf Bildschirmen, die nebeneinander koexistieren, permanent.

Richtig wäre die Aussage: WEB3 ist da. Eine Technologie, die uns eine unbegrenzte Anzahl an dreidimensionalen Welten möglich macht. Betretbar über das Internet, nutzbar für jeden der sich an das Internet anschließen kann. Außerdem sollte man von Metaversen sprechen, nicht von dem einen Metaverse. Metaversen wurden nicht von Meta, ehemals Facebook erfunden. Nicht einmal das übertragbare Konzept auf unsere Realität. Denn tatsächlich lässt sich das erste, aktive Metaverse zurück datieren auf die spielerische Anwendung „Habitat“, welche im übrigen 7 Jahre vor Stephensons Roman auf dem Markt erschien.

Das Metaverse heute

2003 versuchte sich, für die meisten bekannt, Second Life an dem Konzept Metaverse und hatte bis 2008 auch Erfolg damit. Aufgrund einer Reihe soziologischer Gründe scheiterte das Projekt am Ende jedoch. Und dennoch, auch wenn Second Life heute als eines der besten Vorgänger Modelle gilt, dient dieser Vergleich meiner Meinung nach, ausschließlich dafür mögliche sozioökologische Strukturen in virtuellen, dreidimensionalen Umgebungen zu erklären. Oder einfach dafür, um einen greifbaren oder weniger demotivierenden Vergleich zu haben, als die Dystopischen Science-Fiction Auswüchse moderner Autoren. Mit dem heutigen Metaverse-Konzept hat es über die Sozialen Strukturen hinaus sonst wenig Übereinstimmungen.

(Quelle: New Indian Express)

Doch wenn WEB3 der treffendere Begriff ist, was genau ist dann WEB1 oder WEB2 gewesen? Wenn wir das Internet in Zeitalter unterteilen müssten, wäre WEB1 die Generationen des Internets, in der der überwiegende Anteil der Nutzer Verbraucher und nicht Produzent von Inhalten gewesen ist (grob 1991-2004). WEB2 hingegen beschreibt die Generation, in der das Web als Plattform diente, beispielsweise Nutzer, die Inhalte über Soziale Medien, Netzwerkdienste, aber auch Blogs und Wikis hochgeladen haben. Bis heute dauert diese Generation an, gerät nun jedoch durch WEB3 ins Schwanken.

Und die kommende Generation, sprich WEB3, ist nun die Idee eines dezentralisierten Internets, welches auf der Blockchain stattfindet und eine Token-basierte Wirtschaft beinhaltet. Diese Generation des Internets ruft also nicht nur eine Reihe an neuen, technologischen Entwicklungen herbei, sondern arbeitet zugleich gegen die allarmierende Zentralisierung in einigen wenigen Big-Tech-Unternehmen, wie bspw. Amazon, Meta oder auch Google. Mit WEB3 werden vorgegebene Web-Strukturen, die den Erfolg einer Website bestimmen, vollständig ausgehebelt und neu geschrieben.

Geld entscheidt über Qualität

Ein Anwendungsbeispiel wäre das Google-Ranking: Für den Erfolg einer eigenen Webanwendung ist die Positionierung auf Suchplattformen im Ergebniskatalog unabdingbar. Doch um eine möglichst hohe Positionierung zu erhalten, muss die eigene Webanwendung eine Reihe an Vorgaben erfüllen, worunter auch Platzierung von Textelementen, Bildgrößen und Gestaltung einer Seite gehören. Natürlich ist das damalige Ziel von Google gewesen, Mindestanforderungen an Webseiten zu erstellen, damit Nutzer der Suchmaschine das bestmögliche Ergebnis erhalten, aber wenn wir uns heute den Ergebniskatalog anschauen, entdecken wir die Unternehmen an erster Stelle, die am meisten Geld für eine hohe Positionierung bezahlt haben und lange nicht mehr die, die einem die beste Antwort bereitstellen. In über 50% der Suchanfragen ist die Lösung verbunden mit dem Kauf eines Produktes. Googlet mal selbst das Wort Schwangerschaft. Sind es Fachblogs oder Foren, die als erstes angezeigt werden, oder ein Schwangerschaftstest, denn man käuflich erwerben könnte?

(Quelle: Germanic.news)

Mit der Dezentralisierung des Internets ist es für Tech-Giganten wie Google jedoch nicht mehr möglich persönliche Daten im Alleingang zu verarbeiten. Ebenso wenig als Monopolmacht Vorgaben für die Gestaltung von Webanwendungen auszusprechen. Google besitzt im dezentralisierten Internet ausschließlich Datenmengen, die jeder Mensch jederzeit kostenfrei erhalten kann. Durch das Ausgliedern des Internets auf öffentliche, jederzeit einsehbare Datenbanken, gibt es keinen Besitzer und jeden als Besitzer, von verarbeiteten Datenmengen.

Wie sollte man im Metaverse vorgehen?

Das könnte für den ein oder anderen nun ein Dorn im Auge sein, da selbstredend viele Unternehmer womöglich große Summen für eine bestmögliche Positionierung bei den Suchmaschinen bezahlt haben. Muss es aber garnicht, denn das WEB2 wird morgen nicht ausgeschaltet und funktioniert weiterhin auch neben WEB3. Die Masse an Leuten wünscht sich jedoch eine Dezentralisierte Lösung des Internets und weniger Monopolmacht durch Big-Tech-Unternehmen. Fangen Sie also an wieder kreativ zu denken und nicht mehr nur das Geld für Sie die Arbeit machen zu lassen. Denn das Internet wird gerade neu erfunden. Und das neue Internet ist bunt und in Wild-West Stimmung. Hier gewinnt nicht nur der Erste, sondern auch der verspielteste.